
Die IPPNW-Regionalgruppe MV verfolgt das Ziel,
der Militarisierung im Gesundheitswesen und in der Gesellschaft allgemein etwas entgegenzusetzen. Wir setzen uns für Friedensfähigkeit statt Kriegstüchtigkeit ein.
Auswahl an aktuellen Publikationen zur Militarisierung im Gesundheitswesen
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Erklärung für ein ziviles Gesundheitswesen -
Menschen aus Gesundheitsberufen gegen die Militarisierung
„Die Prävention von Kriegen, ob konventionell oder nuklear, ist die beste Medizin. Ich halte alle Maßnahmen und Vorkehrungen für gefährlich, die auf das Verhalten im Kriegsfall vorbereiten sollen. Nur kriegspräventive Maßnahmen kann ich vertreten. Ich lehne deshalb als Beschäftigte/Beschäftigter im Gesundheitswesen jede Schulung oder Fortbildung in Kriegsmedizin ab und werde mich daran nicht aktiv beteiligen. Ich lehne weiterhin jede Maßnahme ab, die einer Kriegsmedizin den Vorrang vor der zivilen medizinischen Versorgung gibt. Das ändert nichts an meiner Verpflichtung und Bereitschaft, in allen Notfällen medizinischer Art meine Hilfe zur Verfügung zu stellen und auch weiterhin meine Kenntnisse in der Notfallmedizin zu verbessern.“
Rede Hiroshimagedenktag 6.8.2026 der IPPNW-Regionalgruppe MV von
Dr.Helge Wolff
IPPNW steht für „Internationale Ärztinnen und Ärzte zur Verhütung des
Atomkrieges - Ärztinnen und Ärzte in sozialer Verantwortung e.V.“
Am 6. und 9. August 1945 zerstörten die USA mit zwei Atombomben die
Städte Hiroshima und Nagasaki und brachten damit unvorstellbares Leid
über die Bevölkerung, das bis heute andauert. Als die erste Bombe
600m direkt über dem Shima-Hospital Hiroshimas explodierte, befanden
sich etwa 350.000 Menschen in der Stadt. In einem Umkreis von 500
Metern um den "Ground Zero" waren 90% der Menschen sofort tot. Die
Temperatur im Epizentrum, dem Zentrum der Explosion, betrug eine
Sekunde lang mehr als eine Million Grad Celsius. Am Boden darunter,
am Hypozentrum, waren es noch 3000 bis 4000 Grad Celsius und es
blieben nur die Schatten der Menschen und Häuser übrig. Glas und
Eisen schmolzen, der Asphalt brannte. Eine ungeheure Druckwelle, die
noch im Umkreis von 40 Kilometern wahrgenommen wurde, zerstörte die
Stadt. Es folgten Feuerstürme mit Windgeschwindigkeiten über 250
km/h. Am Ende des ersten Tages waren mindestens 70.000 Menschen
gestorben. Der Druck ließ die inneren Organe der Menschen zerplatzen,
vielfach traten die Augäpfel aus den Augenhöhlen. Die Kleidung brannte
sich in die Haut hinein und viele Menschen konnten nicht mal mehr
identifiziert werden.
In Hiroshima starben bis Ende des Jahres 1945 etwa 140.000
Menschen, in Nagasaki waren es 74.000 Menschen. Viele Menschen
erlitten oder starben an Verbrennungen, an physischen Traumata durch
die Zerstörung ihrer Städte oder an der akuten Strahlenkrankheit. Diese
hat vielfältige Symptome: Schwindel, Erbrechen, Fieber, Haarausfall,
Durchfall, schwerer Flüssigkeitsverlust. Durch die Schädigung der
blutbildenden Zellen im Knochenmark kommt es zu Störungen der
Blutgerinnung mit schweren, oft tödlichen inneren Blutungen sowie zur
Abwehrschwäche mit lebensbedrohlichen Infektionen.
Viele überlebten schwer verletzt oder leiden bis heute an den
Spätfolgen. An Langzeitfolgen sind neben Unfruchtbarkeit, Fehlgeburten
und Fehlbildungen bei Neugeborenen vor allem Krebserkrankungen zu
nennen: Krebserkrankungen des blutbildenden Knochenmarkes
(Leukämien), Krebserkrankungen von Blase, Brust, Lunge, Speiseröhre,
Magen, Darm und Gehirn. Frauen und Kinder sind häufiger betroffen.
Die Wahrscheinlichkeit von Tod oder Erkrankung korreliert mit der
Strahlendosis, aber man muss auch sagen: Es gibt keine ungefährliche
Strahlendosis!
Die Atombombenabwürfe markieren einen Wendepunkt in der
Geschichte der Menschheit – sie zeigten das unermessliche
Zerstörungspotenzial nuklearer Waffen. Trotzdem steht die Doomsday
Clock heute -81 Jahre danach- bei 85 Sekunden vor 12 – so nah an
einer globalen Katastrophe wie noch nie. Und die Atomwaffenstaaten
erweitern ihre Arsenale – 119 Milliarden US-Dollar gaben sie dafür im
letzten Jahr aus. Doch es auch gibt Hoffnung: Mit dem Königreich
Tonga, einem Inselstaat im Südpazifik, haben seit dem 7. Juli 2026
inzwischen 100 Staaten den Atomwaffenverbotsvertrag (AVV)
unterzeichnet.
Denn: schon vor 30 Jahren hat der Internationale Gerichtshof
Atomwaffen als völkerrechtswidrig eingestuft. Und seit Inkrafttreten des
Atomwaffenverbotsvertrages 2021 ist das Atomwaffenverbot ein
international geltendes Völkerrecht! Die IPPNW fordert die
Bundesregierung auf, sich an das Völkerrecht zu halten. Ein erster
Schritt wäre, dass Deutschland bei der internationalen
Überprüfungskonferenz, die Ende Nov./Anfang Dez. in New York
stattfindet, mit Beobachterstatus teilnimmt und den Beitritt zum AVV
vorbereitet – das wäre ein starkes Signal für das Völkerrecht!
Der nukleare Sicherheitsschirm durch die USA war schon immer eine
Lüge. Alle US-Kriege haben eines gemeinsam: sie finden nie auf US-
Territorium statt. Die USA hätten nie einen nuklearen Schlagabtausch
mit Russland riskiert, um Europa zu retten. Früher nicht und heute unter
Trump auch nicht.
In diesem Jahr will unsere Bundesregierung–erstmals seit 1991- mit der
Stationierung hunderter US-Mittelstreckenraketen mit
Erstschlagkapazitäten auf deutschem Boden beginnen. Das ist ein neuer
Tabubruch im gegenwärtigen Rüstungswettlauf. Er verschiebt das
derzeit bestehende, fragile Kräfteverhältnis auf eine gefährliche Art.
Dabei sprechen sich 54 Prozent der Befragten in einer repräsentativen
Umfrage für Initiativen der Bundesregierung zur Begrenzung von
landgestützten Mittelstreckenwaffen und für Rüstungskontroll-initiativen
aus. Wir haben also die Mehrheit der Bevölkerung hinter uns mit unserer
Forderung, keine US-Tomahawk-Marschflugkörper zu stationieren.
Die IPPNW vermisst -wie viele Menschen in diesem Land- eine
Beteiligung des Parlaments bei dieser weitreichenden Entscheidung.
Diese Waffen schließen keine Sicherheitslücke -wie uns erzählt wird- sie
bedeuten eine ungeheure Bedrohung, nicht nur für Russland, sondern
vor allem für uns, weil sie Deutschland zur Zielscheibe für einen
Präventivschlag machen. Und es ist nicht nur die Bedrohung durch eine
nukleare Zerstörung, wir müssen auch noch dafür bezahlen und sollen
jahrzehntelang erkämpfte soziale Errungenschaften dafür opfern!
Die militärische Bedrohung ist weit größer, als in den
Hochrüstungszeiten des Kalten Krieges der 80er Jahre, denn
der aktive Krieg in der und um die Ukraine ist ein Pulverfass,
die Vorwarnzeiten sind durch Hyperschallwaffen 10x kürzer, sie
verkürzen sich auf wenige Minuten, dadurch steigt das Fehlerpotential
der versehentlichen Anwendung erheblich,
alle begrenzenden atomaren Abrüstungsverträge sind gekündigt,
es sind keine begleitenden Verhandlungen zu atomarer Abrüstung
-wie in der 80er Jahren- auf internationaler Ebene in Sicht,
die Dialogfähigkeit und Kommunikation über sogenannte rote Telefone
sind weitgehend eingestellt,
das Risiko durch diese Waffen wird nicht –wie in den 80er Jahren- auf
mehrere europäische Länder verteilt, sondern allein Deutschland stellt
sie auf.
und durch die Künstliche Intelligenz kommen noch unkalkulierbare
Risiken dazu. OpenAI selbst sprach vor 2 Wochen von einem
„beispiellosen“ Cyber-Zwischenfall, als ihre eigene Software sich
verselbstständigte, ihre Anwendungsumgebung verließ, sich Zugang
zum Internet verschaffte und in eine andere KI-Software einhackte.
Papst Leo der XIV schreibt zu diesem Thema in seiner kürzlich
veröffentlichten Enzyklika Magnifica Humanitas:
„Künstliche Intelligenz muss entwaffnet werden, befreit von den Logiken,
die sie zu einem Instrument der Herrschaft, der Ausgrenzung und des
Todes machen.“
Wir hören immer häufiger die Forderung nach einer deutschen
Atombombe. Das widerspricht allen völkerrechtlichen Verpflichtungen,
die bisher die deutschen Regierungen eingegangen sind. Wer Frieden
will, darf nicht den Krieg, sondern muss den Frieden vorbereiten.
Deshalb haben wir ein Friedensgebot in unserem Grundgesetz!
Unsere Regierung aber hat offensichtlich den Kompass verloren. Sie hat
sich in einer Kriegslogik verstrickt, statt nach friedenslogischen Optionen
zu suchen, z.B. nach vertrauensbildenden Maßnahmen wie
Rüstungskontroll- und Abrüstungsinitiativen oder nach einer
gemeinsamen (und nicht einseitig definierten) Sicherheitsstrategie in
Europa, was ja auch Voraussetzung für eine Beendigung des
schrecklichen Krieges in der Ukraine ist.
Der berühmte Atomwissenschaftler und Pazifist Albert Einstein
prophezeite schon in den 50iger Jahren zur nuklearen Gefahr: "Entweder
wir schaffen die Bombe ab oder die Bombe schafft uns alle ab."
Und deshalb fordert die IPPNW von der Bundesregierung den Beitritt
zum Atomwaffenverbotsvertrag, denn -wie ich schon sagte- Atomwaffen
sind seit 2021 nach internationalem Recht verboten. Es kann nicht
angehen, dass neun Atomwaffenstaaten -plus Deutschland mit dem
rechtlich fragwürdigen Konstrukt der nuklearen Teilhabe- dieses
internationale Recht missachten und gegen den Willen der Mehrheit die
gesamte Menschheit in Geiselhaft nehmen! Und es kann nicht angehen,
dass unsere Bundesregierung auch in dieser Frage auf der falschen
Seite steht, denn immer noch lehnt eine Mehrheit der Befragten eigene
und US-Atomwaffen in Deutschland ab!
Aus medizinischer Sicht müssen wir „Internationalen Ärztinnen und Ärzte
zur Verhütung des Atomkrieges“ Euch sagen:
Wir werden Euch nicht helfen können!
Deshalb gibt es keine Alternative zur atomaren Abrüstung! Es gibt nur
ein Nein zu dieser hochgefährlichen militärischen Machtpolitik!
Denn Sicherheit ist und bleibt ein Friedensprojekt und kein
Militarisierungs- und Aufrüstungsprojekt!

